• Beitrag veröffentlicht:20. Dezember 2021
Jakob van Hoddis

Donnerstag, 24.03.2022, 18:00 bis 20:00 Uhr, Ambulantes Zentrum

Lesung: »In allen Lüften hallt es wie Geschrei. Jakob van Hoodis – Fragmente einer Biographie« mit Fritz Bremer.

Fritz Bremer liest Auszüge aus seiner Erzählung über den jüdisch-deut­schen Dichter Jakob van Hoddis, geboren 1887, ermordet 1942. Hoddis, der eigentlich Hans Davidsohn hieß, schrieb 1910 das berühmte Gedicht “Weltende”, das zum Impuls für die junge Literatur der Zeit wurde, die man dann später Expressionismus nannte.

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

In allen Lüften hallt es wie Geschrei.

Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei,

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob van Hoddis

Er traf mit diesem Gedicht einen Ton, auf den offenbar viele junge Auto­rinnen und Autoren gewartete hatten. Ab 1912 geriet er in eine psychische Krise. Konflikte in der Familie und im Freundeskreis machten ihm schwer zu schaffen. Sein Verhalten wurde für andere zunehmend unverständlich und beängstigend. Nach einer ersten Zwangseinweisung, einer Unter­bringung in einer Privatklinik, nach Flucht, Reisen nach Paris, München … lebte er dann ab 1915 in Pflegefamilien und ab 1933 endgültig in “Heilan­stalten”. Im April 1942 wurde er deportiert.

Bremer erzählt Teile der Lebensgeschichte des J. van Hoddis – ausgehend von Dokumenten, von Briefen, Berichten, Gedichten und von Krankenak­ten. Er wird Auszüge aus der Erzählung vorstellen, Anschließend wird Zeit sein für Fragen und Gespräche.

Fritz Bremer ist Sonderschullehrer, Diplompädagoge und Autor. 1974 ist er Mitbegründer der „Literarischen Werkstatt Kiel“ und der Zeitschrift „Bahnhofsgesang“. 1984 rief er dann mit anderen Mitstreiter*innen die Zeitschrift „Brückenschlag“ ins Leben, in der über 30 Jahre lang sozialpsy­chiatrische Themen, Literatur und Kunst miteinander verwoben wurden. Der Brückenschlag legte den Fokus vor allem auf Texte von Menschen mit Psychiatrieerfahrung. Fritz Bremer ist Autor von Büchern zu sozial­psychiatrischen Themen und hat jahrelang selber in der Sozialpsychiatrie gearbeitet. Er ist als Autor diverser Fachaufsätze und literarischer Texte in Erscheinung getreten, war in der sozialpsychiatrischen Fortbildung aktiv und er ist Begründer des Paranus Verlags. Die Erzählung „In allen Lüften hallt es wie Geschrei. Jakob van Hoddis – Fragmente einer Biographie” erschien erstmals 1996.

Covid-19: Zutritt zur Lesung haben nur Menschen die vollständig geimpfte oder genesen sind (2G-Regel). Die Zuschauerzahl wird auf die dann geltenden Bestimmungen begrenzt sein. Wir bitten daher um rechtzeitige Anmeldung ab dem 01.03.2022. Die Anmeldung kann persönlich im AZ vorgenommen werden, auch telefonisch (Tel. 0431 64980-50) oder per E-Mail: az-mail@kieler-fen­ster.de

Zeit: Donnerstag, 24.03.2022, 18:00 bis 20:00 Uhr

Ort: Sofaraum des Ambulanten Zentrums

Einritt: 2,- € (ermäßigt 1,- €)